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Weltweit Diskussionen nach den Entscheidungen der Generalkonferenz

März 29, 2019

Methodist/innen weltweit diskutieren über die Folgen des Entscheids der ausserordentlichen Generalkonferenz der weltweiten «United Methodist Church». Dabei scheint sich die an der Generalkonferenz wahrnehmbare Polarisierung weiter zu verstärken.

Ende Februar hatte die ausserordentliche Generalkonferenz, das höchste legislative Gremium der weltweiten Methodistenkirche, in St. Louis mit knapper Mehrheit die bisherige negative Bewertung von gelebter Homosexualität bekräftigt und restriktivere Bestimmungen für die Durchsetzung der kirchenrechtlichen Vorgaben beschlossen.

Eine klare Botschaft

Die Befürworter des «Entwurfs zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» (Traditional Plan) bekräftigen die Signalwirkung der Entscheidung. So schreibt etwa Jerry Kulah, Leiter einer methodistischen Ausbildungsstätte in Liberia:

«Die Botschaft ist in die ganze Welt hinausgegangen, dass die weltweite UMC die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe, die Ordination von schwulen und lesbischen Pastoren und die Feier gleichgeschlechtlicher Hochzeiten in den Gemeinden der UMC abgelehnt hat. Das ist es, wofür wir gefastet und gebetet haben, und Gott hat unsere Gebete erhört.»

Widerstand in den USA

In Teilen der USA und in Europa gibt es neben zustimmenden Voten jedoch auch deutlichen Widerspruch gegen die Entscheidungen der Generalkonferenz. So haben zum Beispiel 1100 pastorale Mitglieder und Laienmitglieder der Iowa-Konferenz in den USA eine Stellungnahme unterzeichnet, in der beklagt wird, dass durch die Entscheidung der Generalkonferenz LGBTQ-Personen tiefe Verletzungen zugefügt worden seien. Die Unterzeichnenden bekräftigten zugleich, dass sie sich nicht länger an die Einschränkungen für die Ordination und Heirat gleichgeschlechtlicher Personen halten würden. Einzelne methodistische Gemeinden in den USA haben sich entschieden, die Umlagen auf ein Treuhandkonto zu legen und nicht mehr abzuliefern. Zudem sind einige methodistische Kirchen mit Regenbogenfahnen geschmückt. Manches Mal wird mit diesen auch gezielt der Schriftzug «United Methodist Church» auf Tafeln oder Schaukästen überdeckt.

Petition in Norwegen

In Norwegen fordert eine Unterschriftenaktion dazu auf, dass ein Ausschuss eingesetzt wird, der prüfen soll, wie methodistische LGBTQ-Personen dort die volle Gleichstellung hinsichtlich Ehe und Ordination erhalten können, auch wenn dies bedeuten würde, dass die Jährliche Konferenz in Norwegen in letzter Konsequenz die UMC verlassen müsste. Der dänische Pfarrer Ole Birch schätzt, dass 90 Prozent der Methodist/innen in seinem Land den «Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» ablehnen.

Klare Stellungnahme in Deutschland

Auch der Kirchenvorstand der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland hatte an seiner ordentlichen Tagung Anfang März in einer Stellungnahme festgehalten: «Unabhängig von unseren inhaltlichen Überzeugungen sind wir einstimmig der Meinung, dass diese Bestimmungen des Traditional Plan für unsere Kirche in Deutschland nicht akzeptabel sind.» Deshalb gehe die EMK in Deutschland «den damit eingeschlagenen Weg von Gesinnungskontrolle und verschärften Strafen nicht mit». Zugleich forderte der Kirchenvorstand alle Gruppierungen der EMK in Deutschland auf, an einem Weg zur Bewahrung der Einheit mitzuwirken. Auf diesem Weg könne die Kirche nur zusammenbleiben, wenn es gelinge, «auch ohne Einigkeit in wichtigen Fragen, in Nähe und Anerkennung zu leben. Deshalb wollen wir eine Kirche werden, in der sowohl homosexuell empfindende Menschen ordiniert und bei einer Eheschliessung gesegnet werden können als auch traditionell eingestellte Menschen ihre Vorstellungen und Lebensweisen bewahren können.»

Studiengruppe in Mittel- und Südeuropa

Das Exekutivkomitee der Zentralkonferenz in Mittel- und Südeuropa, zu der auch die Methodist/innen in der Schweiz gehören, hatte ebenfalls Anfang März über die Beschlüsse der ausserordentlichen Generalkonferenz beraten. Dabei wurde der Wunsch bekräftigt, als Zentralkonferenz einen gemeinsamen Weg zu finden. Zugleich waren die Gespräche durch die sehr unterschiedlichen Beurteilungen gelebter Homosexualität geprägt. Um Möglichkeiten auszuloten, wie die ZK vereinigt und/oder verbunden bleiben kann, wurde eine Studiengruppe eingesetzt.

Kritische Rückfragen

Die Befürworter/innen des «Entwurfs zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» stellen dagegen kritische Rückfragen auch an die Rolle der involvierten Bischöfe. Walter Fenton, Vize-Präsident der Wesleyan Covenant Association, einer konservativen Gruppierung, die sich sehr stark für diesen Entwurf eingesetzt hatte, schreibt in einem Beitrag:

«Während eines Grossteils der vergangenen zwei Jahre forderten methodistische Bischöfe in den USA die Menschen in ihrer Kirche auf, sie sollten für die Arbeit der eingesetzten Kommission und für die Tagung der ausserordentlichen Generalkonferenz beten. Die Mitglieder der Kommission (die von den Bischöfen ausgewählt wurden) und der ausserordentlichen Generalkonferenz (die von den Bischöfen einberufen wurde) sollten einen Plan vorlegen und verabschieden, um die lang anhaltende, schädliche Debatte über die Sexualethik der Kirche, die Lehre von der Ehe und die Grundsätze für die Ordination zu klären.
Nun ist seit der Generalkonferenz keine Woche vergangen, ohne dass ein US-Bischof die Beschlüsse scharf kritisiert, sich entschuldigt oder erklärt hat, dass er sich weigert, dem Willen der Generalkonferenz zu folgen, die sie einberufen hatten und für die sie die treuen Methodisten um Gebet gebeten hatten.»

Was aus der Tagung zu lernen ist

Megan Thomas von der Britischen Methodistenkirche, die als Vertreterin einer Konkordatskirche an der Tagung der Generalkonferenz teilgenommen hatte, wird in einem Bericht mit Blick auf ähnliche Diskussionen in der eigenen Kirche in diesem Jahr mit den Worten zitiert: «Die Lektion, die die Britische Methodistische Kirche hier lernen konnte … war, dass wir es besser machen müssen.» Konkret spricht sie folgende Punkte an: «Wir müssen es besser machen in allen Aspekten unseres Konferierens, Diskutierens und Debatierens. Wir müssen es besser machen darin, wie wir einander einbeziehen und unsere Sprache verwenden.» (Methodist Recorder vom 8. März 2019)
Methodist/innen in der Schweiz werden sich in Gesprächen und Beratungen auf unterschiedlichen Ebenen weiter mit den Entscheidungen der Generalkonferenz beschäftigen. Im April finden regionale Treffen für verantwortliche Mitarbeitende in den deutschsprachigen Kirchgemeinden statt. Im Juni wird die in Wettingen tagende «Jährliche Konferenz» (Synode) sich auch mit den Entschlüssen der Generalkonferenz befassen, ohne dass dabei jedoch schon Entscheidungen getroffen werden müssen.


Quellen:
Sam Hodges, Resistance to GC2019 spreads (UMNS, engl.)
Mark Tooley, African Leader Challenges Liberal United Methodists (engl.)
Klaus Ulrich Ruof, Das Ringen um einen Weg zur Bewahrung der Einheit (emk.de)
Walter Fenton, No Apologies for the Traditional Plan (WCA, engl.)
Chris Ritter, UM Fallout: A Compendium (engl.)
Bildnachweis: Saint Mark United Methodist Church / UMNS

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