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(Bild: Klaus Ulrich Ruof, emk.de)

Traum oder Albtraum?

April 26, 2019

(Originalbeitrag: 26. Februar 2019)

Am dritten Tag der Generalkonferenz liegen erste klare Ergebnisse auf dem Tisch. Sie hinterlassen ratlose oder freudige Gesichter – je nach Sichtweise.

Der dritte Tag der Generalkonferenz in St. Louis war der mit grösster Spannung erwartete Tag. Es war anzunehmen, dass sich an diesem Tag eine Richtung zeigen würde, wohin die Delegierten in ihrer Entscheidung tendieren. Am Ende des Tages liegen die Ergebnisse auf dem Tisch und hinterlassen ratlose oder freudige Gesichter – je nach Sichtweise.

Die Fakten

Nach der Priorisierung vom Vortag fanden in dieser Reihenfolge die Abstimmungen über die vorgelegten Entwürfe und weitere Anträge statt. Weil die BEschlüsse nach den formalen Regeln der Generalkonferenz erst im Plenum gefasst werden können, wenn sie zuvor in einem der Konferenzausschüsse beraten wurden, tagte die Generalkonferenz an diesem Tag als ein solcher Konferenzausschuss. Die eigentliche Diskussion und Entscheidung findet dann am letzten Sitzungstag, dem Dienstag statt. Kurz zusammengefasst sieht das Ergebnis der vorentscheidenden «Konferenzausschusssitzung» folgendermassen aus: Der von konservativer Seite unterstützte «Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» («Traditional Plan») hat als einziger der vorliegenden Entwürfe die notwendige Mehrheit erhalten, um am letzten Konferenztag abschliessend diskutiert zu werden. Er erzielte 461 Ja-Stimmen bei 359 Gegenstimmen (rund 56 zu 44 Prozent). Der von der Kommission «Ein Weg in die Zukunft» und auch vom Bischofsrat mit deutlicher Mehrheit empfohlene Entwurf, der «Entwurf zur Bewahrung der Einheit der Kirche» («One Church Plan»), hatte nur 386 Ja-Stimmen auf sich vereinigen können bei 436 Gegenstimmen (rund 47 zu 53 Prozent). Auch der «Entwurf für Konferenz Verbünde» «Connectional Conference Plan» ist vom Tisch. Ebenfalls deutlich abgelehnt wurde ein weiterer, «Simple Plan» genannter Entwurf («Einfacher Entwurf»), der eine Variante des «Entwurfs zur Bewahrung der Einheit der Kirche» darstellte.

Klar und trotzdem unübersichtlich

Von den der Generalkonferenz vorgelegten Entwürfen hat also nur der «Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» («Traditional Plan») die Hürde genommen, um am letzten Tag der Generalkonferenz in letzter Lesung diskutiert und entschieden zu werden. Formal schwierig ist, dass für diesen Entwurf noch grosse Unwägbarkeiten im Raum stehen. Der Rechtshof als oberstes Recht sprechendes Organ der Evangelisch-methodistischen Kirche hat schon vor der Tagung der Generalkonferenz deutlich gemacht, dass etliche der mit diesem Entwurf verbundenen Regelungen mit der Verfassung der Kirche nicht konform sind. Das betrifft vor allem Regelungen, die stark auf Kontrolle und Ahndung ausgerichtet sind und dabei nur den einen Sachverhalt der Homosexualität als Kriterium heranziehen. In dieser Hinsicht ist das starke Abschneiden dieses Entwurfs kirchenjuristisch mit Vorsicht zu betrachten. In dieser Angelegenheit wird es zu Anfang des kommenden Sitzungstages eine Stellungnahme des Rechtshofs geben.
«Damit ist die Lage noch etwas unübersichtlich», erklärte Bischof Harald Rückert von der EMK in Deutschland auf Nachfrage, wie das weitere Verfahren jetzt aussehe. Jedenfalls sei die Einheit der Kirche mit diesem Votum gefährdet. Mit aus dieser Sorge um die Einheit der Kirche hat eine Delegiertengruppe bereits angekündigt, dass sie ein Minderheitenvotum einbringen werde, um auf diese Weise den «Entwurf zur Bewahrung Einheit der Kirche» als einen verbindenden Weg der Mitte doch noch einmal ins Gespräch bringen zu können.

Die Abstimmungsmehrheit kommt von ausserhalb der USA

Eine wesentliche Änderung im Abstimmungsverhalten der Delegierten sei nach Meinung erfahrener Delegierter und von Beobachter/innen nicht zu erwarten. In den USA wird der «Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» von einer verhältnismässig starken Gruppe vor allem aus dem Süden der Vereinigten Staaten befürwortet und beworben. Besonders stark befürworteten diesen Entwurf die Delegierten der afrikanischen Konferenzen. Aus Osteuropa und den Philippinen kamen weitere Unterstützer/innen dieses Entwurfs, die sich in der Debatte verhältnismässig stark zu Wort meldeten. Die Befürworter/innen des «Entwurfs zur Bewahrung der Einheit der Kirche», die eine deutliche Mehrheit der Delegierten in den USA und den westeuropäischen Konferenzen haben, vermochten es dagegen nicht, darüber hinaus nennenswert weitere Delegierte zu gewinnen, die der Freiheit dieser Regelung ihre Stimme gaben.

Kein sofortiger Handlungsdruck

Laut Bischof Harald Rückert «müssen wir jetzt den morgigen Tag abwarten». Erst dann liege die endgültige Entscheidung vor. Auch nach dieser Entscheidung – und das gelte auch, wenn die Delegierten der Generalkonferenz sich noch anders besinnen sollten – gebe es keinen sofortigen Handlungsdruck. Nach Abschluss der Generalkonferenz könnten alle Entscheidungen in Ruhe beraten werden, um daraus die Schlussfolgerungen für die EMK in Deutschland und anderen Ländern Europas abzuleiten.

«Ich habe einen Traum»

Markus Jung, pastoraler Delegierter und Superintendent im Nürnberger Distrikt der Süddeutschen Konferenz, hatte sich in der Konferenzdebatte am Nachmittag zu Wort gemeldet. In Anlehnung an Martin Luther Kings «I have a dream» hat er in einer Drei-Minuten-Rede den Delegierten seinen «Traum von Kirche» vorgestellt, in der die Kirche «bunt, vielfältig und voller Liebe» ist.

Klaus Ulrich Ruof, emk.de / UMNS
Beitragsbild: Klaus Ulrich Ruof, emk.de

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